Cherry Ventures hat 10.000 europäische Firmen in ihren ersten 18 Monaten gezählt, die meisten davon tauchen in keiner Datenbank auf.
Die Daten sind absolut relevant, um zu verstehen, wie neue Firmen aktuell entstehen.
TOP-STORY
Cherry Ventures launcht Heartbeat: 75 Prozent der neuen europäischen Firmen haben nur einen Gründer
Cherry Ventures hat mit Heartbeat einen Report veröffentlicht, der die Formationsphase europäischer Unternehmen vermisst: 10.000 Firmen, 10.000 Gründerinnen und Gründer, 89 Städte, über 5 Milliarden Euro eingesammeltes Kapital. Aufgenommen wurde jede Firma maximal 18 Monate nach Gründung und mit höchstens einer institutionellen Runde, quer über alle Branchen, bootstrapped wie VC-finanziert.
Der zentrale Befund: 75 Prozent der Firmen starten mit einem einzigen Gründer. Bei Unternehmen ohne institutionelles Geld sind es 79 Prozent, bei denen mit abgeschlossener erster Runde 46 Prozent. Wo ein zweiter Gründer dazukommt, haben sich die beiden laut Report im Job kennengelernt, nicht an der Uni oder in einem Programm, das genau dafür gebaut wurde.
Dazu kommt die Accelerator-Quote. Von den 10.000 erfassten Gründern haben 657 überhaupt eine Accelerator-Station, also 7 Prozent. Y Combinator steht für 185 davon, Antler für 58. Die übrigen 93 Prozent sind ohne Programm gestartet, und Cherry hat sie über Gespräche mit Ökosystem-Leuten, Professoren, Angels, Operatoren und Micro-VCs zusammengetragen, Stadt für Stadt.
Interessant ist der Block zu Rückkehrern: 86 der erfassten Gründer wurden in den USA ausgebildet und bauen jetzt in Europa, ein Drittel davon in London. Sie starten im Schnitt mit 2,6 Personen gegenüber 1,78 bei europäisch ausgebildeten Gründern und holen einen Median-Erstcheck von 3,25 Millionen Dollar gegenüber 1,63 Millionen. Allein gründen sie in 41 Prozent der Fälle, die europäisch ausgebildete Vergleichsgruppe in 50 Prozent.
Quelle: Heartbeat by Cherry Ventures
FINANZIERUNGSRUNDEN
1Komma5Grad holt 70 Millionen Euro bei 1,35 Milliarden Dollar Bewertung
Das Hamburger Energietechnik-Startup 1Komma5Grad hat 70 Millionen Euro von bestehenden und neuen Investoren eingesammelt, darunter der japanische Cleantech-Fonds Marunouchi Innovation Partners, und seine Bewertung damit auf 1,35 Milliarden Dollar gehoben. Der Großteil des Geldes geht in die KI-Plattform Heartbeat AI, in die 2027 mehr als 100 Millionen Euro fließen sollen, für die Automatisierung von Energiehandel, Abrechnung und Zählerwesen. Für 2026 erwartet das Unternehmen rund 700 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von 35 bis 40 Prozent, bei einem operativen Hardware-EBITDA von etwa 40 Millionen Euro. Seit der Gründung 2021 sind knapp 400 Millionen Euro Eigenkapital zusammengekommen, der 2025 verschobene US-Börsengang hängt jetzt an der Performance 2027.
Quellen: Handelsblatt, Trending Topics
USA: Amazon verhandelt über 7 Milliarden Dollar für KI-Startup Decart
Amazon verhandelt laut einem Bericht des Wall Street Journal vom 11. Oktober über die Übernahme des israelisch-amerikanischen KI-Startups Decart zu rund 7 Milliarden Dollar. Das 2023 gegründete Unternehmen wurde im Mai 2026 noch mit knapp 4 Milliarden Dollar bewertet und hat bislang mehr als 400 Millionen Dollar von Sequoia Capital, Benchmark und Radical Ventures eingesammelt. Anthropic hatte zuvor über einen Kauf für rund 6 Milliarden Dollar verhandelt, die Due Diligence abgeschlossen und sich im September zurückgezogen. Decart baut Software, die den Wechsel von KI-Modellen zwischen Chip-Architekturen erleichtert, dazu die Modelle Lucy für Echtzeit-Videobearbeitung und Oasis für simulierte 3D-Umgebungen zum Training von Robotik und autonomem Fahren.
Quellen: Reuters via Investing.com, The Media Line
KI-Updates
OpenAI Decisions API: die Antwort auf Jev, 0,10 Dollar pro Million Tokens
Kurz zur Einordnung des Namens: Jev ist ein Modell von TypeSafe AI, das am 15. September 2026 in Early Access startete und nur eine Aufgabe hat. Es generiert keinen Fließtext, sondern bekommt Kontext plus eine feste Liste erlaubter Antworten und gibt die passende Option mit Wahrscheinlichkeit zurück, für Klassifizierung und Routing. TypeSafe listet 0,042 Dollar pro Million Input-Tokens, kostenlose Output-Tokens und 70 bis 500 Millisekunden Latenz, Input ist auf Text beschränkt.
OpenAI hat am 6. Oktober die Decisions API in Public Beta gestellt, über den Endpunkt POST /v1/decisions, betrieben mit GPT-6 Luna. Sie nimmt Text und Bilder entgegen, kostet 0,10 Dollar pro Million Input-Tokens, Output-Tokens sowie Cache-Reads und -Writes werden nicht berechnet. OpenAI wirbt mit bis zu zehnfach schnelleren Antworten gegenüber der Responses API, dazu Zero Data Retention, HIPAA-Eignung und Datenresidenz in den USA und Europa. Bei einer Million Klassifizierungen à 500 Tokens stehen rund 50 Dollar bei OpenAI gegen rund 21 Dollar bei Jev, einen gemeinsamen Genauigkeits-Benchmark hat bisher keiner der beiden veröffentlicht.
Claude Dashboards und Motion starten, 45 Millionen Docs schon erstellt
Anthropic hat am 8. Oktober Claude Dashboards und Claude Motion gelauncht und Claude Docs, Slides und Design auf jedem Plan inklusive Free aus der Beta genommen, die eigenständige Claude-Design-Seite schließt am 14. Dezember 2026. Dashboards verbindet sich mit Datenplattformen wie Amazon Redshift, BigQuery, ClickHouse, Databricks und Snowflake sowie mit Connectoren wie Salesforce und läuft in Beta auf bezahlten Plänen, Motion bleibt Team- und Enterprise-Kunden vorbehalten. Nutzer haben nach Angaben von Anthropic bereits mehr als 45 Millionen Docs, Decks und Designs in Claude erstellt.
Quellen: Unite.AI, Digital Trends
EmbeddingGemma 2: multimodale Suche in 191 MB auf dem Handy
Google DeepMind hat am 6. Oktober EmbeddingGemma 2 veröffentlicht, ein Modell mit 740 Millionen Parametern, das Text, Code, Bilder, Video und Audio in einen gemeinsamen 768-dimensionalen Embedding-Raum abbildet. Quantisiert belegt es auf einem Pixel 11 Pro rund 191 MB für reinen Text und etwa 567 MB bei voller Nutzung aller Modalitäten. Das Modell basiert auf der Gemma-4-Architektur und steht unter Apache-2.0-Lizenz, der Vorgänger kommt laut Google auf 20 Millionen Downloads.
Quellen: Unite.AI, jetstream.blog
SAVE THE DATE
Deutscher Gründerpreis 2027: Bewerbungsschluss 15. November
Die Bewerbungsphase für den Deutschen Gründerpreis 2027 endet am 15.11.2026, spätere Einreichungen rutschen automatisch ins Wettbewerbsjahr 2028. Vergeben wird der Preis bundesweit von Sparkassen, ZDF, Porsche und Frankfurter Allgemeine in den Kategorien StartUp, Aufsteiger, Schüler:innen und Lebenswerk. In der Kategorie Aufsteiger gilt eine harte Schwelle von mindestens 1.000.000 Euro Umsatz pro Jahr, dazu muss das Gründungsjahr zwischen 2018 und 2023 liegen.
Quelle: Deutscher Gründerpreis
ZUM SCHLUSS
Am Freitag haben wir eine neue Episode unseres YouTube Formats veröffentlicht und begleiten den Unicorn Gründer André Christ (LeanIX für 1,2 Milliarden Euro an SAP verkauft) bei seinem neuen Abenteuer: denn er hat jetzt als Veranstalter das ATP Challenger Turnier in Bonn übernommen. Mit dabei waren u.a. US-Open Champion Dominic Thiem, Ministerin aus NRW Mona Neubaur und weitere.
Bis Freitag
Fabian



