Freitag, 2. Oktober. Zwei Muster in dieser Woche: Börsengänge, die nicht stattfinden, und Modelle, die schneller billiger werden, als Budgets geplant waren.
Die Woche in 60 Sekunden (heute eher 90)
Oura stoppt den 2,2-Milliarden-Dollar-IPO acht Tage nach Start
Oura hat den geplanten Nasdaq-Börsengang am 29. September verschoben und Marktunsicherheit als Grund genannt, obwohl die Nachfrage laut Unternehmen stark war. Verkauft werden sollten 50 Millionen Aktien zu 40 bis 44 Dollar, also bis zu 2,2 Milliarden Dollar Erlös bei rund 15,6 Milliarden Dollar Bewertung. Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet Oura 90 Prozent Umsatzwachstum, zuletzt bei 5,7 Millionen zahlenden Mitgliedern. Der Rückzug reiht sich in eine Welle von IPO-Verschiebungen ein, nachdem die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen den höchsten Stand seit 2007 erreichte. TechCrunch, tech.eu
Anthropic-Prospekt geleakt: 2 Billionen Dollar Ziel, 42 Milliarden Verlust
Der geleakte IPO-Prospekt zielt auf eine Bewertung von 2 Billionen Dollar beim geplanten Debüt im November. Für 2025 steht ein Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar in den Unterlagen, Reuters nennt separat einen operativen Verlust von über 8 Milliarden Dollar bei zwölffach gestiegenem Umsatz auf rund 4,6 Milliarden Dollar. Allein im zweiten Quartal 2026 lag der Umsatz bei 11,5 Milliarden Dollar, gleichzeitig kamen fast ein Viertel der Vorjahresumsätze von nur zwei Kunden. Geplant sind 518 Milliarden Dollar Ausgaben für Cloud-Computing und Infrastruktur in den kommenden Jahren. TechCrunch
Nubank verhandelt über Monzo für bis zu 10 Milliarden Pfund
Nu Holdings hat Gespräche über eine Übernahme von Monzo geführt, im Raum stehen 8 bis 10 Milliarden Pfund. Monzo meldete für das Geschäftsjahr 2026 1,7 Milliarden Pfund Umsatz, plus 39 Prozent, und 172,6 Millionen Pfund bereinigten Vorsteuergewinn bei 25,7 Milliarden Pfund Einlagen und 15,2 Millionen Kunden zum 31. März. Ein Verkauf würde das Londoner IPO beenden, alternativ prüft der Vorstand eine neue Runde oberhalb von 8 Milliarden Pfund für die Expansion nach Kontinentaleuropa. Berater sind Morgan Stanley und Qatalyst. Axios
Salesforce kauft Listen Labs für 2 Milliarden Dollar
Salesforce übernimmt das 2023 von Florian Jüngermann und Alfred Wahlforss gegründete AI-Research-Startup für 2 Milliarden Dollar. Listen Labs hatte im September ein Series-C-Termsheet über 125 Millionen Dollar bei 1,5 Milliarden Bewertung liegen lassen, als die Salesforce-Gespräche starteten. Bei rund 30 Millionen Dollar Jahresumsatz entspricht der Preis etwa dem 67-fachen Umsatz. Für Florent Venture Partners ist es der erste Unicorn-Exit und zugleich der erste Scheck des Fonds. Martech
Reverion holt 175 Millionen Dollar für Brennstoffzellen-Serienproduktion
Die Series B wird vom europäischen Deeptech- und Klimafonds Kembara angeführt, neu dabei sind unter anderem Allianz, KfW Capital, Aurum Impact und Carbon Equity. Geplant ist ein Produktionsstandort in Deutschland mit 250 Megawatt Jahreskapazität und bis zu 800 Arbeitsplätzen. Die Technologie erreicht nach Unternehmensangaben 74,2 Prozent elektrischen Wirkungsgrad. Startbase
Mistral eröffnet Hub in München
Seit dem 28. September läuft ein neuer Standort mit Forschungsteams für Physics AI und Industrial AI sowie Applied Engineers für Enterprise-Partner. Aktuell arbeiten rund 30 Menschen in Deutschland für Mistral, bis Ende 2027 sollen es über 100 sein. Erste Partner sind BMW, Siemens Energy und die TU München. Bis 2030 will Mistral ein Gigawatt Rechenkapazität in Europa aufbauen, geschätzte Kosten rund 50 Milliarden Euro, davon seien 20 bis 25 Prozent finanziert. heise online
GPT-6.1 Sol: Astra-Niveau zu einem Fünftel der Kosten
OpenAI hat das Modell am 29. September auf der DevDay veröffentlicht. Auf DeepSWE v1.1 erreicht es das Niveau von GPT-6 Astra bei rund einem Fünftel der Kosten, eine Terminal-Bench-Science-Aufgabe kostet 5,47 Dollar statt 23,80 Dollar bei Astra. Die API kostet 2 Dollar pro Million Input- und 10 Dollar pro Million Output-Token, gecachte Inputs 0,10 Dollar pro Million. Kontextfenster: 1,05 Millionen Token, verfügbar in ChatGPT Work, Codex und der API. Unite.AI
Claude Sonnet 5.5 bleibt beim alten Preis
Anthropic hat Sonnet 5.5 am 28. September veröffentlicht. Auf Terminal-Bench 4.0 erreicht das Modell 70,6 Prozent gegenüber 10,3 Prozent bei Sonnet 5. Die Preise bleiben bei 2 Dollar pro Million Input- und 10 Dollar pro Million Output-Token, Cache-Reads bei 0,20 Dollar. Durch geringeren Token- und Tool-Call-Verbrauch sollen Aufgaben bis zu 30 Prozent günstiger pro Task werden als bei Sonnet 5. MarkTechPost
ChatGPT Dots: Agenten mit eigenem Cloud-Rechner
OpenAI hat auf der DevDay persistente Agenten vorgestellt, die unabhängig in der Cloud weiterarbeiten, ohne dass du neu promptest. Jeder Dot läuft auf GPT-6 Astra, hat einen eigenen Cloud-Computer und Browser und lässt sich laut OpenAI mit mehr als 4.000 Apps verbinden, erreichbar über ChatGPT, Slack und Microsoft Teams. Der erste Dot steckt im Pro-Plan für 100 Dollar pro Monat und im Business-Premium-Tarif, Enterprise-, Edu- und Healthcare-Workspaces bekommen eine Beta nach Admin-Freischaltung. OpenAI nennt dabei 1,2 Milliarden wöchentliche Nutzer als Plattformreichweite. CNBC
114 Series-A-Runden über 100 Millionen Dollar
Weltweit zählt Crunchbase 2026 bislang mindestens 114 Series-A-Runden ab 100 Millionen Dollar, der höchste Jahreswert seit Jahren. Zusammen sind das rund 33 Milliarden Dollar, mindestens 12 Runden lagen bei 500 Millionen Dollar oder mehr. Über 70 Prozent dieser Jumbo-Deals gingen an KI-Startups, etwa River AI mit 1,2 Milliarden Dollar. Rund die Hälfte entfiel auf US-Startups. Crunchbase News
3.053 Neugründungen in Deutschland im ersten Halbjahr
Das ist der höchste Wert seit Beginn der EY-Erhebung 2019. Gleichzeitig sank die Zahl der Finanzierungsrunden um 11 Prozent, große Deals machten zwei Drittel des investierten Kapitals aus. EY warnt, dass junge und kleine Unternehmen beim Kapitalzugang zunehmend das Nachsehen haben. Euronews
Nächste Wochen
Y Combinator Winter 2027: Bewerbungsschluss ist der 2. November, 20 Uhr Pacific Time. Wer vorher einreicht, bekommt laut YC bis zum 11. Dezember eine Entscheidung. Der Deal bleibt 500.000 Dollar für 7 Prozent plus variablen Anteil bei späteren Runden, das Programm läuft drei Monate mit Gruppen-Office-Hours alle zwei Wochen. Prüf den Termin vor der Planung noch einmal direkt bei YC, die öffentlich zugänglichen Angaben dazu sind uneinheitlich.
Anthropic: Laut geleaktem Prospekt ist das Börsendebüt für November angesetzt. Der Fahrplan dahin dürfte die nächsten Wochen prägen.
Außerdem veranstalten mein enger Freund Clemens Kauschke und ich, Fabian Tausch, erstmals den Generation Cup Padel Edition in Köln. Hierbei bringen wir 100 ausgewählte Gründer, Investoren, Top-Entscheider, Creator & Athleten zusammen.
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Ein Weekend-Read
Tomasz Tunguz über Systemdenken in Engineering-Teams. Darin: Eine Engineerin im SpaceXAI-Grok-Team liefert 2.000 Pull Requests pro Monat, fast hundert pro Arbeitstag, Artemis-Ingenieure mergten bis August 16 Pull Requests pro Tag, und DHH sagte beim Rails World, Code von Hand zu schreiben sei für die meisten Programmierer nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll. Lesenswert, weil der Text diese Zahlen zu einer These verdichtet: AI hat das Tippen aus der Softwareentwicklung entfernt, übrig bleibt Systemdesign. tomtunguz.com
Lange Ausgabe heute, weil DevDay, zwei Modell-Launches und zwei Milliarden-Deals in dieselbe Woche gefallen sind. (Randnotiz aus dem Anthropic-Prospekt: Dort ist von selbsterhaltenden Modellverhalten die Rede, die an Erpressung erinnern.)
Zusätzlich noch zwei Dinge in eigener Sache:
Wir haben vor 2 Tagen erstmals unser neues YouTube Format veröffentlicht, in welchem wir Gründern einen Tag über die Schulter schauen und zeigen, was hinter den Kulissen wirklich passiert.
In der ersten Folge waren wir bei Cortea, einer KI-basierten Wirtschaftsprüfung und haben die Gründer Valentin & Philipp begleitet. Hier geht es zum YouTube Video.
Wenn wir mal bei euch vorbeischauen sollen, antworte gerne auf diese Mail. 🙏🏻
Ansonsten ging heute unser neuester Podcast mit GeneralMind Gründer Tushar Ahluwalia Online, der zuvor die Razor Group mit 750 Millionen Dollar an Umsatz aufgebaut hat und jetzt KI-Agenten für Mittelstand & Konzern baut, die auf ERP Systemen aufsetzen.
Wir sprechen über den neuen Fachbegriff Forward Deployed Engineer, welche Risiken es für Startups gibt, wenn dadurch zu individualisierte Lösungen für den Kunden gebaut werden und wie GeneralMind plant zu skalieren.
Lohnt sich auf jeden Fall, hier geht es zum Podcast mit Tushar.
Wir hören uns Dienstag wieder zum Founder Briefing, hab ein schönes Wochenende
Fabian



