Berlin hat gewählt, und seit Sonntagabend landen bei mir Nachrichten von Gründern, die wissen wollen, was das für den Standort heißt. Heute deshalb: das Ergebnis und die Debatte in der Szene, dazu zwei Zeilen Mecklenburg-Vorpommern, GoStudent kauft Berlitz Deutschland, ein 7B-Bildmodell aus China und DeepMinds neues AGI-Institut.

Top-Story

Die Linke gewinnt Berlin mit 25,7 Prozent, die CDU-SPD-Mehrheit ist weg

Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September ist die Linke laut vorläufigem amtlichem Endergebnis mit 25,7 Prozent erstmals stärkste Kraft in Berlin. Dahinter die CDU mit 18,8 Prozent, die AfD mit 16,3 Prozent, die Grünen mit 14,3 Prozent und die SPD mit 12,1 Prozent, ihrem schlechtesten Ergebnis bei einer Abgeordnetenhauswahl. Das BSW schafft den Einzug nicht. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 75 Prozent. Spitzenkandidatin Elif Eralp kann erste Regierende Bürgermeisterin der Linken werden. Regierender Bürgermeister Kai Wegner hatte zwei Monate vor der Wahl auf eine erneute Spitzenkandidatur verzichtet, Grund war sein Umgang mit dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz. (Tagesspiegel, Wikipedia)

Für eine Mehrheit braucht es ein Dreierbündnis

Das Abgeordnetenhaus hat regulär 130 Sitze, für Rot-Grün-Rot oder ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD reicht je nach Endergebnis nur eine Dreierkonstellation. Mit der AfD will keine Partei koalieren. Die Linke will nach dem Wahlsieg den Volksentscheid umsetzen und große Immobilienkonzerne vergesellschaften, Hunderttausende Wohnungen sollen über eine Anstalt öffentlichen Rechts in Landesbesitz. Eralp geht davon aus, dass die Entschädigung deutlich unter dem Marktwert liegen kann, der Landesrechnungshof hält das in seinem Gutachten für eine eklatante Abweichung von der bisherigen Rechtsprechung. Entscheiden werden am Ende Gerichte. (t-online, ad-hoc-news)

Was die Startup-Szene vor der Wahl gesagt hat

Berlins Wirtschaft wuchs 2025 um 1,1 Prozent und damit gegen den Bundestrend, getragen von Gründern und innovativem Mittelstand, dazu fließt weiter viel Risikokapital in die Stadt. In den Tagen vor der Wahl forderten Stimmen aus der Szene vor allem drei Dinge: bezahlbare Flächen, Kapitalzugang und eine digitalisierte Verwaltung. Kritisiert wurde, dass Startups im Wahlprogramm der Linken kaum konkret vorkommen, während Vergesellschaftung zentral gesetzt ist. Öffentlich gesagt hat das kaum jemand, viele Gründer äußerten sich nur untereinander. Der Startup-Verband hatte die Berliner Ausbildungsabgabe zuvor als „mehr als ein fatales Signal für Startups und Scaleups“ bezeichnet. (Berliner Zeitung, IT Boltwise, Startup-Verband)

Und Mecklenburg-Vorpommern

Am selben Tag wurde in Schwerin gewählt: Die AfD holt 38,2 Prozent vor der SPD mit 35,5 Prozent, die Linke kommt auf 6,5 und die Grünen auf 5,7 Prozent. Die CDU scheitert mit 4,9 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde und fliegt aus dem Landtag, die FDP landet bei 1,0 Prozent. (Landtag MV, ZDF)

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Deal der Woche

GoStudent übernimmt Berlitz Deutschland

GoStudent hat am 28. August den Kaufvertrag mit der Berlitz Corporation für die Berlitz Deutschland GmbH unterschrieben. Der Deal umfasst rund 50 Sprachcenter in Deutschland plus geförderte Integrations- und Berufssprachkurse, das Firmenkunden- und Onlinegeschäft bleibt bei Berlitz. Das übernommene Offline-Segment machte zuletzt rund 40 Millionen Euro Jahresumsatz, der Kaufpreis wird nicht veröffentlicht, das Closing ist bis Jahresende geplant. (brutkasten)

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Qwen-Image-2.1: 7 Milliarden Parameter, offene Gewichte

Alibabas Qwen-Team hat Qwen-Image-2.1 am 20. September open source veröffentlicht und die visuelle Generierungskomponente von rund 20 auf 7 Milliarden Parameter geschrumpft. Das Modell macht Text-zu-Bild und Bildbearbeitung in einer Architektur, unterstützt native transparente Bilder als RGBA und verarbeitet bis zu 10 Referenzbilder in einem Durchgang. Die Gewichte liegen auf Hugging Face, ModelScope und GitHub, mit Support ab Tag null in ComfyUI, Diffusers, vLLM-Omni und SGLang. Im eigenen Benchmark kommt Qwen auf einen Score von 60,28 und damit an die Spitze der Open-Source-Rangliste, kommerzielle Nutzung braucht eine separate Lizenz von Alibaba. (The Decoder)

DeepMind startet ein eigenes Institut für die AGI-Debatte

Google DeepMind hat am 16. September das DeepMind Institute gelauncht, geleitet von Demis Hassabis, Shane Legg und James Manyika, Legg ist Managing Editor. Zum Start gibt es vier Essays, unter anderem zu Wirtschaftspolitik bei einer AGI-Disruption und zum Erhalt nachvollziehbarer Reasoning-Ketten. Rohin Shah und Anca Dragan warnen darin, dass Training auf unauffälliges Reasoning zu Verschleierung führt, und schlagen Grenzen für nicht nachvollziehbare Rechenschritte vor. Hassabis bringt eine von den USA geführte Standardbehörde für Frontier-KI ins Spiel, bei der Entwickler ihre Modelle bis zu 30 Tage vor Release freiwillig zur Prüfung einreichen. (TechCrunch)

Mehr als 100.000 Euro Foerderung im Schnitt

Das war's für heute 🦄

Diesmal war es etwas kürzer, aber sonst gab es einfach nur viel Boulevard (Festnahme des Social Chain Group Mitgründers Wanja Oberhof wegen Nutzung eines Darlehens für andere Zwecke als geplant) oder generell Noise.

Wir hören uns Freitag wieder zum Founder Briefing.

Fabian