Hey,
die Woche vor dem Web Summit und ausgerechnet jetzt zieht der bekannteste VC der Welt seine Leute aus Europa ab. Dazu Geld für Chips, Quanten und Batterien. Los geht's.
DIE WOCHE IN 60 SEKUNDEN
Sequoia sammelt 10 Milliarden Dollar und schließt das Londoner Büro
Am 4. November 2026 postete Sequoia Capital ein Memo mit dem Titel "The Sequoia of Tomorrow". Inhalt: rund 10 Milliarden Dollar in neuen Fonds, Zusammenlegung von Early-Stage- und Growth-Team zu einem Team, Ende des Arc-Accelerators, Ende des Scouts-Programms, Abschaffung des wöchentlichen Montags-Partnermeetings. Sieben General Partner führen die Firma jetzt gemeinsam: Alfred Lin, Andrew Reed, David Cahn, Konstantine Buhler, Pat Grady, Shaun Maguire und Sonya Huang. Sequoia selbst beschreibt das als Korrektur einer rund 20-jährigen Expansion, die Hierarchien erzeugt hat.
Der Teil, der Europa trifft: Das 2020 eröffnete Londoner Büro macht zu, einige Mitarbeiter verlassen die Firma. Im Memo heißt es, man sehe schlicht keine Notwendigkeit für eine lokale Präsenz, Europa bringe weiter Ausnahmegründer hervor und die lasse sich auch aus der Bay Area begleiten.
Luciana Lixandru, seit 2020 von Accel geholt und erste Partnerin in Europa, bekam das Angebot, nach San Francisco zu ziehen, und hat abgelehnt. Auf X schrieb sie: "My conviction on Europe hasn't moved, and neither am I." Sie bleibt Partnerin, behält ihre Board-Sitze und investiert zusätzlich privat in europäische Gründer. Anas Biad geht mit nach San Francisco.
Aus der europäischen Szene kam direkt Gegenwind. Philipp Moehring von der Tiny Supercomputer Investment Company schrieb auf X: "No US firm has ever deeply cared about Europe on a firm level." Nathan Benaich von Air Street Capital nannte die Entwicklung einen verwalteten Niedergang Europas. Dagegen stehen die Zahlen von PitchBook: US-Investoren waren in den ersten neun Monaten 2026 an 22,2 Prozent aller europäischen VC-Runden beteiligt.
TechCrunch | PitchBook | Unite.AI
EU startet 525-Millionen-Euro-Plattform für Chip-Startups
EU-Kommission und Mitgliedstaaten stellen 440 Millionen Euro an Zuschüssen bereit, damit Startups die Entwicklungskosten kommerzieller Chips decken können, dazu kommen 85 Millionen Euro für eine European Chip Design Platform. Die Plattform gibt Zugang zu Design-Tools, technischer Beratung, IP-Blöcken und Fertigungskapazität. Fortgeschrittene Unternehmen können bis zu 16 Millionen Euro beantragen. Zwanzig Startups sind bereits in den Entwicklungsprogrammen. Gestartet hat die Plattform EU-Kommissarin Henna Virkkunen am 4. November 2026. Europäische Chipdesign-Firmen kommen laut Kommission aktuell auf unter 1 Prozent des globalen Umsatzes in diesem Segment.
European Commission | Reuters
Quint Computing holt 9,1 Millionen Euro für die größte deutsche Quanten-Erstrunde
Vsquared Ventures führt die Runde in das Erlanger Startup an, mit dabei sind Quantonation, Vanagon Ventures, Nucleus Capital, Faber und ZOHO VC. Dazu kommen 2,2 Millionen Euro aus dem EIC-Pathfinder-Programm, macht 11,3 Millionen Euro gesamt. Laut Unternehmen ist das die bislang größte Erstrunde eines deutschen Quantencomputing-Startups. Gegründet wurde Quint erst im Oktober 2025 von den Physikern Michael Hartmann und Christopher Eichler sowie Ökonom Jona Stinner an der FAU Erlangen. Das Team arbeitet an einer neuen Chiparchitektur zur Fehlerkorrektur.
Tech.eu | Handelsblatt
Return sichert 835 Millionen Euro für deutsche Batteriespeicher
Deutsche Bank und Rabobank stellen Return eine Portfolio-Finanzierung über 835 Millionen Euro bereit. Das Framework deckt zunächst drei deutsche Batteriespeicherprojekte mit zusammen 117 MW ab. Ab 2027 will Return jährlich zwischen 750 Millionen und 1,2 Milliarden Euro investieren und mindestens 1 GW pro Jahr installieren. Die Struktur kombiniert erstmals in Deutschland die Finanzierung physischer Speicher mit dem virtuellen Flexibilitätsportfolio des Unternehmens.
EU-Startups
Conrad Electronic übernimmt Hivebuy
Seit November 2026 gehört das Berliner Procurement-Startup zur Conrad Electronic Gruppe, öffentlich gemacht wurde der Deal am 2. November. Hivebuy digitalisiert Einkaufsprozesse von der Bestellanforderung über die Freigabe bis zur Rechnungsprüfung, rund 70 Unternehmen nutzen die Lösung. Investoren waren Haufe Group Ventures, Cusp Capital, SIVentures und Tiny Supercomputer Investment Company. Finanzielle Details gibt es nicht. Hivebuy bleibt eigenständig mit Team in Berlin.
Cusp Capital | deutsche-startups.de
KI-UPDATES
Oracle storniert 7-Milliarden-Dollar-Deal mit Tencent
Laut Financial Times hat Oracle einen Fünf-Jahres-Vertrag im geschätzten Wert von 7 Milliarden Dollar gekippt. Tencent hätte darüber Zugang zu rund 100.000 fortschrittlichen KI-Chips in südostasiatischen Rechenzentren bekommen. Bekannt geworden war der Deal Anfang Oktober als Tencents größter Leasing-Deal im Ausland, etwa 30 Prozent des Werts waren bereits vorab bezahlt. US-Behörden äußerten Bedenken, parallel drängten Behörden in Guangdong auf chinesische Chips. Analysten schätzen den Wegfall auf rund 1 Prozent von Oracles Auftragsbestand, die Aktie legte am 3. November um 5,85 Prozent auf 126,19 Dollar zu.
24/7 Wall St.
Vier Anthropic-Abgänge in zwölf Tagen, zwei davon zu OpenAI
Zwischen dem 24. Oktober und dem 5. November 2026 kündigten vier Anthropic-Mitarbeiter ihren Abgang öffentlich auf X an. Cat Wu, verantwortlich für Produktmanagement bei Claude Code, Cowork und Tag, postete am 3. November ihren letzten Arbeitstag und wechselt nach eigener Ankündigung zu OpenAI, um dort Core Products zu leiten. Austin Lau, Mitaufbauer der Growth-Funktion, ist ebenfalls bei OpenAI. Drei der vier Abgänge kamen aus dem Claude-Code-Team, darunter Thariq Shihipar. Das am 2. November eingereichte S-1/A nennt den Verlust von Schlüsselpersonal explizit als Risikofaktor.
FourWeekMBA
OpenAI bringt GPT-Image-2.6 in zwei Varianten
Am 4. November veröffentlicht, angekündigt als Images 2.6 für ChatGPT, Codex und die API. Sunburst ist für detaillierte Komposition und Bildbearbeitungs-Workflows gedacht, Flare für interaktive Bildaufgaben und schnelle Iteration. Beide kosten gleich viel: pro 1 Million Tokens 5 Dollar Text-Input, 8 Dollar Bild-Input, 30 Dollar Bild-Output. Neu sind animierter GIF- und SVG-Output, einstellbare Bildkompression und Markup-basierte Bearbeitung.
note.com
PitchBook: KI-Funding knackt 2026 die 500-Milliarden-Dollar-Marke
Der Q3-2026-AI-Report von PitchBook meldet erstmals über 500 Milliarden Dollar eingesammeltes Kapital im Kalenderjahr, ein neuer Rekord. Der Report enthält eine Market Map der führenden VC-finanzierten Unternehmen im Segment.
PitchBook
SAVE THE DATE
9. bis 12. November, Lissabon: Web Summit in der MEO Arena, Parque das Nações. Die Vorjahresausgabe hatte 71.386 Teilnehmer aus 157 Ländern. Night Summit läuft am Montag im Time Out Market, Dienstag in Cais do Sodré, Mittwoch in Príncipe Real.
18. und 19. November, Helsinki: Slush. Wer dort Side Events plant, sollte Locations und Meetings jetzt festzurren.
PS: Wir hosten ein Side Event zusammen mit Anthropic und SAP.
Alle Infos auf der Slush Plattform.
EIC Accelerator: Der letzte Step-2-Stichtag des Jahres war der 4. November. Der Kurzantrag in Step 1 lässt sich weiter jederzeit einreichen, Bewertung dauert rund vier bis sechs Wochen.
DAS PLAYBOOK DER WOCHE
US-Investoren ohne Büro in Europa: so bleibst du trotzdem auf dem Radar
Mit dem Londoner Büro verschwindet der Teil des Prozesses, der dich bisher bequem gemacht hat: der Partner, den du auf jeder Konferenz triffst. Was jetzt funktioniert:
Warme Einführungen über Portfolio-Gründer statt über Associates. Wer keinen lokalen Deal-Flow mehr hat, hört am ehesten auf die eigenen Founder. Schau dir an, welche europäischen Companies der Fonds schon hält, und arbeite dich über diese Gründer vor.
Baue deinen Update-Verteiler jetzt, nicht beim Fundraise. Monatliche Mails mit harten Zahlen ersetzen das Kaffeetreffen. Zwölf Updates vor dem Termin schlagen jedes Deck.
Plane Bay-Area-Wochen statt Bay-Area-Trips. Zwei Reisen im Jahr mit jeweils fünf Tagen und 15 Terminen bringen mehr als sechs einzelne Flüge zu einem Pitch.
Setz den Lead lokal, die Erweiterung global. Ein europäischer Lead mit Board-Sitz plus US-Fonds als Co-Investor hält dir die Governance im eigenen Zeitfenster.
EIN WEEKEND-READ
Wer bezahlt eigentlich den KI-Ausbau? Paulo Carvalho stellt in seinem Essay zwei Fragen: Wer finanziert den Build-out und wer trägt das Risiko, wenn der Umsatz später kommt als geplant. Die zentrale Zahl kommt von Barclays: Die vier großen Hyperscaler und Oracle sollen bis 2027 knapp 90 Prozent ihres operativen Cashflows in Capex stecken, nach rund 50 Prozent im Jahr 2024. Das ist fast eine Verdopplung des Anteils in drei Jahren. Laut Autor bleibt damit deutlich weniger Raum für Dividenden, Aktienrückkäufe und Überraschungen, und ein wachsender Teil des Ausbaus läuft über Anleihen.
Lohnt sich, weil du als Gründer die Preislogik hinter Compute, Credits und Cloud-Partnerschaften verstehst, bevor sie sich ändert.
Scanning Sensing Acting

In der neuen Unicorn Bakery Episode spreche ich mit Marc-André Pfeiffer, der wellnest aufbaut. Wellnest ist am Ende Wellness in a Box. Auf 40 Quadratmetern bekommst du Sauna, Whirlpool und Entspannungsoase in bereits 8 Standorten.
Du kannst dir dein Nest stundenweise buchen und dort entspannten.
Angefangen hat es mit ein paar Millionen von FitX Gründer Jacob Fatih und über die Jahre (auch Corona überlebt) planen sie Standort für Standort.
Da Millionen in einen Standort fließen wollte ich von marc vor allem wissen, wie er das weiterdenkt, wo das Geld herkommt, aber auch, wie er einen einzelnen Standort von A bis Z denkt, um ihn profitabel zu bekommen.
Bis Dienstag :)
Fabian



